
GLS-SchülerInnen zeigen am Holocaust-Gedenktag klares Bekenntnis zur Menschlichkeit
Am 27. Januar 1945 erreichten Voraustruppen der Roten Armee auf ihrem Vormarsch einen Ort in Polen, den die Deutschen Auschwitz genannt hatten. Die geflohene Wehrmacht und SS hatten versucht, die Spuren der dort begangenen Verbrechen zu beseitigen – doch es gelang nicht vollständig. Die Befreier trafen auf ausgemergelte Häftlinge, darunter zahlreiche Kinder, die kaum noch die Kraft fanden, ihren Rettern zu danken. Das ganze Ausmaß des Grauens wurde erst nach und nach sichtbar: Allein im sogenannten Stammlager Auschwitz-Birkenau wurden über eine Million Menschen systematisch gefoltert und ermordet. Insgesamt fielen dem nationalsozialistischen Terror etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden zum Opfer.

Anlässlich dieses Gedenktages gestalteten Schülerinnen und Schüler unserer Schule die szenische Lesung „Gegen das Vergessen“. In eindrucksvoller Weise setzten sie sich mit Erinnerung, Verantwortung und Menschlichkeit auseinander und machten deutlich, wie wichtig aktives Gedenken gerade in der heutigen Zeit ist.
Die Lesung vereinte literarische, dokumentarische und musikalische Texte unterschiedlicher Autorinnen und Autoren. Das Programm umfasste unter anderem Shirō Sagisus „Never meant to belong (Bleach)“, Margot Friedländers Text „Mensch sein“, Auszüge aus Bertolt Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ (u. a. „Die jüdische Frau“ und „Der Spitzel“), BABs „Kristallnacht“ sowie Marc-Uwe Klings „Die Känguru-Klassiker: Entnazifizierung“.

Besonders eindringlich wirkten die Passagen aus Peter Weiss’ dokumentarischem Theaterstück „Die Ermittlung“, das den Auschwitz-Prozess von 1963 aufgreift, sowie der letzte Brief von Ida Goldis aus dem Ghetto Kischinew an ihre Schwester Clara am Vorabend ihrer Deportation nach Transnistrien. Die Texte machten das Leid der Verfolgten ebenso spürbar wie die zerstörerischen Folgen von Ausgrenzung, Angst und Anpassung.
Gelesen wurden die Texte von Enrico Davila, Dario Diomedes, Maja-Lisa Faber, Lara Helvacıoğlu, Kava Müller, Georgios Palagkas, Lea Roll und Nika van Paridon. Die musikalische Gestaltung sowie die Klavier- und Arrangements übernahm Raphael Lorenz.

Ein besonderer Dank gilt Jens Reid, der den Literaturkurs leitete und die szenische Lesung inhaltlich wie dramaturgisch erarbeitet und inszeniert hat. Durch seine intensive Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern entstand ein Abend, der sowohl in seiner inhaltlichen Tiefe als auch in seiner künstlerischen Gestaltung nachhaltig beeindruckte.
Für die professionelle Umsetzung sorgte die Licht- und Ton-AG, die den Abend technisch unterstützte. Die Hälfte der Einnahmen des Abends wurde an die Anne-Frank-Stiftung gespendet – ein bewusstes Zeichen dafür, dass Erinnerung nicht nur Rückblick, sondern auch aktives Handeln bedeutet.
Die szenische Lesung „Gegen das Vergessen“ zeigte eindrucksvoll, wie Schule Verantwortung übernimmt: durch Erinnerung, durch Haltung und durch das klare Bekenntnis zu Menschlichkeit, Demokratie und Zivilcourage